Als ich meine Hashimoto-Diagnose bekommen habe, war ich erstmal überfordert. Schilddrüsentabletten vom Arzt -- okay. Aber ich habe L-Thyroxin immer schlechter vertragen...Auch etliche Präparatwechsel waren einfach komplett sinnlos. Was kann ich selbst noch tun? Ich habe mich durch Foren, Bücher und YouTube gewühlt und langsam einen Wissens- und Erfahrungsschatz aufgebaut.
Was ich heute empfehlen würde: Schritt für Schritt
Vor Phase 1: Vorkehrungen im Alltag
- Wasserfilter -- sauberes Trinkwasser ist für mich die absolute Basis. Das habe ich viel zu lange ignoriert. Ein guter Filter kann helfen, die tägliche Belastung zu senken. Ich würde mit Aktivkohlefiltern oder direkt mit einer Osmoseanlage starten.
- E-Smog reduzieren -- WLAN nachts aus, Handy nicht am Körper tragen, kabellose Kopfhörer weglassen. BT Gadgets braucht man auch nicht ständig. Zuhause am besten auf Ethernet-Kabel umsteigen und die Sendeleistung des Routers reduzieren. Am Handy LTE/4G statt 5G nutzen, wenn möglich.
- BPA-freie Küche -- Plastikbehälter nach und nach durch Glas, Edelstahl oder Keramik ersetzen, vor allem bei warmen Speisen und Getränken.
- Ernährung anpassen -- Gluten, Kuhmilch und raffinierten Zucker reduzieren oder weglassen. Das sind häufige Trigger bei Hashimoto und für viele der größte Hebel überhaupt. Auch Soja kann für manche Menschen echt problematisch sein.
- Schlaf & Stress -- feste Schlafenszeiten, Bildschirm abends reduzieren, bewusst Ruhepausen einbauen und Blaulichtfilter benutzen (gibt's auch als App). Ohne guten Schlaf bringen auch die besten Supplements nicht so viel. Auch mal den Wecker ausschalten und ausschlafen.
Erst wenn diese Grundlagen stehen, starte ich mit Supplements. So reagiert der Körper oft stabiler und du erkennst besser, was wirklich wirkt.
Phase 1: Die Basis (Woche 1-4)
- Magnesium -- fast jeder hat einen Mangel, besonders bei Hashimoto. Starte abends mit einer moderaten Dosis und steigere langsam. Es gibt viele Magnesiumarten, z. B. Magnesiumcitrat, -glycinat oder -malat. Finde heraus, welche für dich am besten verträglich ist. Magnesium ist auch gut vor dem Schlafen um die Einschlafzeit zu verkürzen.
- L-Tyrosin -- eine Aminosäure, die als Baustein für Schilddrüsenhormone dient. Ich würde niedrig starten, z. B. morgens, und Wirkung sowie Verträglichkeit beobachten, vor allem bei Unruhe, Herzklopfen oder Schlafproblemen. Es kann spürbar pushen und Energie geben.
- Selen – häufig empfohlen im Zusammenhang mit der Schilddrüse. Viele nehmen 200 mcg am Tag, idealerweise als Selenomethionin. Natriumselenit geht auch, aber manche haben damit Probleme; das muss man selbst herausfinden. Die Einnahme sollte länger erfolgen, um einen Spiegel aufzubauen. Danach kann man es auch pulsieren. Besprich die Dosierung am besten mit deinem Arzt.
- Vitamin D + K2 -- lass deinen Spiegel messen. Die meisten Hashimoto-Betroffenen haben niedrige Werte. Bei K2 ebenfalls vorsichtig aufdosieren und beobachten. Vitamin D wird oft im Zusammenhang mit Immunsystem und allgemeinem Wohlbefinden genannt, das Thema ist aber komplex.
- Zink – häufig niedrig bei Hashimoto-Betroffenen, auch ohne HPU. Wird oft im Zusammenhang mit dem Immunsystem erwähnt. Am besten mittags nehmen und nicht zusammen mit Eisen.
- Kupfer – kann auch ein Thema sein, gerade im Zusammenhang mit Histamin und Eisenstoffwechsel. Wenn du das ausprobieren willst, würde ich niedrig starten. Viele nutzen dafür Kupferbisglycinat im Bereich von 1 bis 2 mg. Auch das wird öfter im Zusammenhang mit HPU genannt.
- Jod -- für mich persönlich war Jod ein wichtiger Baustein. Wenn du noch nie Jod genommen hast, ist ein sanfter Einstieg für mich der sinnvollste Weg. Beginne zum Beispiel mit Kelp-Algen, die natürlich Jod enthalten. Später kannst du vorsichtig mit Lugolscher Lösung experimentieren, idealerweise langsam, gut beobachtet und nicht ohne Blick auf Salz und Selen. Manche berichten gerade am Anfang über deutliche Reaktionen. Dann kann es helfen, langsamer zu machen, mehr Ruhe einzuplanen und die Einnahme mit einem Arzt oder Therapeuten abzustimmen.
Lugols war mein persönlicher "Gamechanger", obwohl es anfangs nicht so einfach war. Die Informationen habe ich persönlich aus dem Buch Iodine why you need it, why you can't live without it entnommen und mich dort am Protokoll orientiert, es für mich aber deutlich entschärft.
Extra: Jodhaltiger Fisch, Meeresfrüchte & vegane Alternativen (maßvoll bei guter Verträglichkeit)
Wenn du Jod bereits gut verträgst, können jodhaltige Fisch- und Meeresfrüchte sowie ausgewählte vegane Alternativen eine sinnvolle Ergänzung sein. Wichtig ist für mich: lieber regelmäßig kleine Mengen statt große Portionen auf einmal.
| Lebensmittel | Jodgehalt (ca. pro 100 g) | Maßvolle Portion | Praktischer Rhythmus |
|---|---|---|---|
| Kabeljau (Dorsch) | 110-170 mcg | 100-150 g | 1x pro Woche |
| Seelachs | 120-200 mcg | 100-150 g | 1x pro Woche |
| Schellfisch | 180-300 mcg | 80-120 g | Alle 7-10 Tage |
| Garnelen | 30-60 mcg | 100-150 g | 1x pro Woche |
| Miesmuscheln | 100-130 mcg | 80-120 g | Alle 7-10 Tage |
| Jakobsmuscheln | 90-140 mcg | 80-120 g | Alle 7-10 Tage |
| Nori-Algen (vegan) | 1.500-3.000 mcg | 1-2 Blätter (ca. 2-5 g) | 1-2x pro Woche |
| Wakame (vegan) | 10.000-20.000 mcg | 0,5-1 g getrocknet | Selten und sehr vorsichtig |
| Dulse (vegan) | 150-500 mcg | 1-2 g getrocknet | 2-3x pro Woche |
Hinweis: Die Werte schwanken je nach Fanggebiet und Produkt. Taste dich langsam heran und beobachte deinen Puls, Schlaf und dein allgemeines Befinden.
Vier Wochen nur damit. Beobachte, wie du dich fühlst. Führe ein kleines Tagebuch -- auch wenn es nur drei Stichworte am Tag sind.
Phase 2: Aufbauen (Woche 5-8)
- Omega-3 – gutes Fischöl oder Algenöl. Wird von vielen ergänzend eingenommen und oft im Zusammenhang mit Entzündungen, Herzgesundheit und Gehirnfunktion genannt.
- B-Komplex -- unterstützt Nerven, Energie und Methylierung, vor allem wenn du empfindlich auf Stress reagierst. Achte eventuell auf Folsäure: Manche mit MTHFR vertragen Methylfolat besser.
- HPU -- bei HPU sind oft Zink, P5P, Taurin und Mangan ein Thema. Starte niedrig und beobachte Verträglichkeit sowie Entgiftungsreaktionen. Für manche kann das hilfreich sein.
- Eisen -- nur gezielt nach Blutbild, vor allem Ferritin, ergänzen. Bei niedrigem Speicher kann Eisen Energie und Belastbarkeit verbessern, aber zu viel Eisen ist ebenfalls problematisch. Gerade bei Hashimoto wird Ferritin oft mit angeschaut.
- Darmgesundheit – Der Darm spielt eine wichtige Rolle für Immunsystem und Stoffwechsel. Viele Hashimoto-Betroffene berichten von Darmproblemen. Probiotika, L-Glutamin und fermentierte Lebensmittel werden häufig als ergänzende Maßnahme genannt. Besprich das gegebenenfalls mit deinem Arzt. Auch über Leaky Gut wird in diesem Zusammenhang oft gesprochen.
Omas Tipp: Probier's doch mal mit frischem Sauerkraut! Günstig, voller Milchsäurebakterien und gut für den Darm.
Phase 3: Feintuning (ab Woche 9)
- Adaptogene -- Ashwagandha oder Rhodiola, je nach deinem Stresslevel und Nebennieren-Status.
- NAC / Glutathion -- unterstützt die körpereigene Entgiftung und schützt die Schilddrüse vor oxidativem Stress. NAC ist die Vorstufe von Glutathion und oft besser verträglich als Glutathion direkt.
Phase 4: Nichts klappt? Tiefer schauen
Wenn du alles oben gemacht hast und dich trotzdem nicht besser fühlst, lohnt es sich, nach versteckten Belastungen zu suchen. Das sind Themen, die viele Hashimoto-Betroffene unterschätzen:
- Parasiten – eine Parasitenbelastung kann das Immunsystem belasten. Wenn du den Verdacht hast, besprich das mit einem erfahrenen Arzt oder Heilpraktiker.
- Candida – eine Überbesiedlung im Darm wird von manchen als belastend empfunden. Zuckerverzicht, Probiotika und gezielte Maßnahmen werden diskutiert – besprich das mit einem Arzt und geh schrittweise vor.
- Borrelien -- chronische Borrelien-Infektionen nach einem Zeckenstich bleiben oft unerkannt. Wenn du Symptome wie Gelenkschmerzen, Erschöpfung und Gehirnnebel hast, die sich trotz allem nicht bessern, ist ein Borrelien-Test sinnvoll -- am besten bei einem spezialisierten Labor, z. B. per LTT Borrelien.
- EBV (Epstein-Barr-Virus) -- ein häufiger Mitauslöser bei Hashimoto. Viele tragen das Virus in sich, ohne es zu wissen. Bei anhaltender Erschöpfung lohnt sich ein Blick auf die EBV-Antikörper.
Diese Themen sind komplex und erfordern oft eine erfahrene Begleitperson. Sie hier anzusprechen heißt nicht, dass jeder sie hat -- aber es lohnt sich, sie nicht auszublenden.
Welche Blutwerte solltest du kennen?
Lass regelmäßig diese Werte kontrollieren -- sie geben dir ein klares Bild:
- TSH, fT3, fT4 -- die Basis für die Schilddrüsenfunktion
- TPO-AK, TG-AK -- Antikörper, die den Hashimoto-Verlauf zeigen
- Ferritin -- Eisenspeicher, oft niedrig bei Hashimoto
- Vitamin D (25-OH) – viele streben einen Wert von 40–60 ng/ml an, besprich deinen Zielwert mit deinem Arzt
- Zink, Selen -- häufig im Mangel
- B12, Folsäure -- wichtig für Energie und Methylierung
Was ich gelernt habe
Das Wichtigste, was ich in den letzten Jahren gelernt habe: Es gibt natürlich kein Universal-Protokoll. Jeder Hashimoto-Verlauf ist anders. Die Supplements auf meiner Seite sind Produkte, die ich selbst verwende oder intensiv recherchiert habe -- aber dein Weg wird ein anderer sein als meiner.
Lass regelmäßig deine Blutwerte checken, höre auf deinen Körper und ändere immer nur eine Sache auf einmal. So findest du über die Zeit heraus, was dir wirklich hilft.
Meine komplette Supplement-Liste findest du auf der Schilddrüse-Seite. Für Detox-Themen schau auf die Detox-Seite.